Category: Erinnern, Nacht der Museen, Rechte Gewalt

Oury Jalloh wurde am 2. Juni 1968 in Kabala, einer Stadt in Sierra Leone geboren.
Er kam 2001 nach Deutschland und lebte in Dessau mit einer Duldung.
Oury Jalloh verbrannte am 7. Januar 2005 in einer Zelle auf einem Polizeirevier in Dessau.
Laut Polizeilichen Angaben war er zuvor bei einer Personenkontrolle in Gewahrsam genommen
wurden. Er wurde alkoholisiert angetroffen und soll zuvor Frauen belästigt haben.
Nach angeblichen Widerstand bei der Kontrolle der Ausweispapiere während der
Personenkontrolle wurde er gewaltsam von der Polizei ins Auto gebracht. Auf dem Revier
wurden ihm Hand und Fußfesseln angelegt.
Auf diese Art und Weise gefesselt verbrachte er, unter der Beobachtung von Polizisten, einige
Zeit in einer Einzelzelle. Etwa 10 Minuten nach der letzten Kontrolle durch einen Polizisten der
Dessauer Polizei brach ein Feuer in der Zelle Nummer 5 aus, in welcher Oury Jalloh lag.
Nach Polizeiangaben soll sich Oury Jalloh, während er an Händen und Füßen gefesselt war, ein
Feuerzeug aus seiner Tasche genommen haben. Mit diesem Feuerzeug soll er seine Kleidung
oder auch die Matratze, deren feuerhemmender Überzeug angeblich durch ihn beschädigt
wurde, angezündet haben.
Oury Jalloh verstarb an den schweren Verbrennungen die er in der Zelle erlitt.
Auf den ausgebrochenen Brand reagierte die Polizei erst sehr spät. Es kam zu vielen absurden
Begründungen warum das Feuer erst so spät entdeckt wurde. Ein Polizist, der über eine
Sprechanlage die Zelle von Oury Jalloh überwachte, stellte diese aufgrund eines Telefonats
leiser.
Die Beamt*innen hörten weiterhin „plätschernde“ Geräusche während gleichzeitig der
Rauchmelder anging. Dieser Feueralarm wurde abgestellt, mit der Begründung, dass es schon
öfter einen Fehlalarm gegeben hatte. Erst als die Rauchentwicklung so groß wurde, dass der
Lüftungsschalter Alarm schlug und das „plätschern“ immer lauter wurde, haben sich die
Polizist*innen auf den Weg zur Zelle 5 gemacht.
Laut Angaben der Polizei war es aufgrund der starken Rauchentwicklung nicht mehr möglich
den gefesselten Mann aus dem Brand zu retten.
Des weiteren gibt es weitere Faktoren, welche diese vermeintlich „unglückliche Abfolge an
Ereignissen“ sehr fragwürdig machen.
Das Feuerzeug, mit dem sich Oury Jalloh angezündet haben soll, wurde laut der Polizei bei den
gründlichen Taschenkontrollen übersehen. Das Beweisstück wird in der Asservatenliste (Liste
der beschlagnahmten Gegenstände die im Folgenden als Beweise fungieren) vom 10.Januar
2005 nicht aufgeführt, sondern erst in der vom 11. Januar 2005.
Eine weitere Frage ist, inwiefern es einem an Händen und Füßen gefesseltem Menschen
gelingen soll, ein Feuerzeug aus seiner Tasche zu holen und sich dann auch noch anzuzünden.
In einem Brandgutachten des Diplom-Chemikers Klaus Steinbrach wurde bewiesen, dass der
Zustand der Leiche durch das Selbstanzünden nicht zu erklären ist.
Im Auftrag der Initiative Gedenken an Oury Jalloh wurde ein weiteres Brandgutachten
angefordert. Dieses Gutachten kam zu dem Schluss, dass die schnelle und komplette Zerstörung
der brandgeschützten Matratze, das Ausmaß, die Intensität des Feuers, sowie die Verkohlung
des Körpers, nur durch den Einsatz von zwei bis fünf Litern Brandbeschleuniger möglich
gewesen sei. Ein einziges Feuer würde dafür nicht ausreichen. Zudem wurden von dem
Brandgutachter Zyanide und Blausäure Funde, die während der Obduktion der Leiche gefunden
wurden, genannt. Diese Stoffe bilden sich beim Einsatz von Benzin oder Grillanzündern.

Am 27. März 2007, zwei Jahre nach der Tat, begann für zwei Polizisten ein Prozess. Der
Dienstgruppenleiter wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge, sein Kollege wegen
fahrlässiger Tötung angeklagt.
Am 08. Dezember 2008 wurden beiden Angeklagten freigesprochen. Der Dessauer Polizei
wurde von dem zuständigen Richter Steinhoff lediglich „Schlamperei“ vorgeworfen. Er
kritisierte die Falschaussagen der Beamt*innen, welche so jede Chance auf ein rechtsstaatliches
Verfahren verhindert hätten.
Der gesamte Prozess ging in Revision, woraufhin der Dienstgruppenleiter wegen fahrlässiger
Tötung zu einer Geldstrafe von 10.800€ verurteilt wurde.
Direkt nach dem Tod Oury Jallohs wurde und nach wie vor wird, die Forderung nach
Aufklärung, Gerechtigkeit und Entschädigung gestellt. Jedoch wird auch die Aufklärung von
den Mitgliedern der Initiative Gedenken an Oury Jalloh von Drohungen, Polizeigewalt,
Razzien, etlichen Gerichtsverfahren und weiteren verschiedenen Formen der Repression
heimgesucht und somit versucht zu verhindern.
Dennoch kämpft die Initiative auch jetzt noch für eine Aufklärung und gegen das große
Schweigen.
Durch das Brandgutachten, welches von der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh in Auftrag
gegeben wurde, fordert die Fraktion der Grünen am 12. November 2013 eine Prüfung des
Gutachtens und neue Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Ein Tag zuvor hatte die Initiative in
Gedenken an Oury Jalloh bei der Generalbundesanwaltschaft eine Anzeige gegen Unbekannt
wegen Mordes oder Totschlags eingereicht. Oury Jalloh – das war Mord. Oury Jalloh ist kein
Einzelfall.
Seit 2005 gibt es nun jedes Jahr am 07. Januar in Dessau eine Demonstration in Gedenken an
Oury Jalloh.

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